Kategorie Engineering

2013/14

Automatische Holzschindelbearbeitungsmaschine

HTBLuVA Waidhofen an der Ybbs

Team Holzschindeln

Besser mit Messer

Dachschindeln aus Holz: Symbol für gute alte Bauweisen, für Dächer von damals. Wie viele schöne Traditionen erlebt auch das Schindeldach in den letzten Jahren einen Aufschwung.

Nur, weil dann doch nicht mehr alles so ist, wie es einmal war, wird in der heutigen Herstellung oft Schind(el)luder betrieben: Anstatt die Oberflächenbearbeitung, das sogenannte Putzen, von Hand zu erledigen, werden Hobelmaschinen herangezogen. Diese verletzen den natürlichen Faserverlauf des Holzes und verkürzen seine Lebensdauer etwa um die Hälfte, weil die Witterungsbeständigkeit verloren gegangen ist.

Ein schmerzlicher Anblick für Lukas Tatzreiter, der sich noch gut erinnert, wie er als Kind seinem Vater beim Putzen von Lärchenholzschindeln mit dem Zugmesser an der Hoanzlbank zugesehen hat. Und weil er nicht aus dem Holz des tatenlos Zusehenden geschnitzt ist, drehte er sich in der Schule, der HTBLuVA Waidhofen, nach rechts zu seinem Sitznachbarn Lukas Six und tüftelte mit ihm eine Idee aus, wie sich die Schnelllebigkeit der Produktion mit der Sorgfalt vereinen ließe, die eine Holzschindel braucht. Es müsste eine Maschine sein, die das Holz wie von (Zauber)Hand bearbeitet. Und dann wetzten Lukas und Lukas die Messer.

Beim ursprünglichen Modell wurde erst einmal ein selbst geschliffenes Messer an einer Holzplatte angebracht und fest in ein Gestell eingespannt. Die Anlage hat einen Motor, der die Schindel vorschiebt und auch mit widerspänstigerem Holz zurande kommt. Das Spaltmesser folgt beim Schneiden dem Faserverlauf, verstellt wird es durch zwei Spindelhubgetriebe, deren Weg von zwei analogen Sensoren SPS-gesteuert errechnet wird. So wird nur ein Teil der Unebenheiten abgetrennt, wodurch  die ursprüngliche Form erhalten bleibt und beim Dachdecken Hohlräume zwischen den Schindeln entstehen können, die das rasche Trocknen nach Regentagen fördern.

Unter Aufsicht von Auftraggeber Martin Six (Vater eines der Diplomanden) arbeiteten die beiden „Hoanzlmänner“ die 3D-Konstruktion weiter aus. Das Projekt wurde immer größer und entwickelte sich zum Wettlauf gegen die Zeit. Da die Lukasse 30 Kilometer auseinander wohnen, erwies sich eine präzise Planung und Arbeitsaufteilung als Rettung. Klar: Ein gutes Dach will gut durchdacht sein.