Kategorie Engineering

2013/14

Blizzard – Schnee- und Eisbefreiungsanlage für LKW-Dächer

HTL Innsbruck-Anichstraße

Team Blizzard

Alles abgeblasen

Kennen Sie das aerodynamische Paradoxon? Es besagt in etwa, dass ein Volumsstrom mit hoher Strömungsgeschwindigkeit einen Unterdruck in der Umgebung erzeugt. Zu schnelles Blasen kann also bewirken, dass das Angeblasene nicht nach vorne, sondern auf die Seite bewegt wird.

Ziemlich paradox ist auch die rechtliche Situation von LKW-Fahrer/innen im Zusammenhang mit Schnee und Eis auf den Dächern ihrer Fahrzeuge. Einerseits müssen sie es entfernen, andererseits dürfen sie nicht. Die Straßenverkehrsordnung verbietet es, mit Schneelasten auf dem Dach loszufahren, weil diese beim Herabfallen gefährlich für die Umgebung sind: Eine zwei Kilo schwere Eisplatte kann Windschutzscheiben durchschlagen, Tunneleinrichtungen beschädigen und sogar Menschen schwer verletzen. Umgekehrt untersagt das Arbeitnehmer/innenschutzgesetz den Fahrer/innen, auf ihre Wägen zu klettern. Zu hoch, zu gefährlich, sie könnten ja runterfallen.

Nun, das eine Paradoxon schafft jetzt vielleicht bald Abhilfe beim anderen. Dražen Petrović, Maria Wegscheider und Simon Zagala haben eine Anlage entwickelt, die Eis und Schnee einfach kontrolliert wegbläst. Auf einem feststehenden Träger sind schräge Düsen angebracht. Der LKW fährt langsam unter dem Aufbau durch, und ein Gebläse (in Testläufen wurde ein Staubsauger verwendet) macht reinen Tisch, also eigentlich reine Dachplane. Diese wird zusätzlich – eben wegen des Unterdrucks laut aerodynamischem Paradoxon –angehoben, das bricht auch schwerere Eisplatten auf, und einzelne Eisstücke sind leichter zu entfernen.

Um zu kontrollieren, ob alles geklappt hat, soll obendrein eine WLAN-fähige Kamera am Aufbau angebracht werden. Der Check erfolgt dann über das Smartphone. Das Team der HTL Innsbruck-Anichstraße testete die Idee nicht nur technisch sehr gründlich, sondern befragte auch aktive LKW-Fahrer/innen zu ihren Ideen. Aufgrund von Sprachbarrieren dauerte es teilweise etwas, bis das Eis gebrochen war, mittlerweile wäre die Anlage „Blizzard“ aber einsatzbereit. Der Wermutstropfen: Da die Mittel fehlen, könnte es noch dauern, bis ein Prototyp hergestellt werden kann. Hoffentlich noch vor dem Jahre Schnee.