Kategorie Science

2013/14

Eschentriebsterben – Wie können die Eschen gerettet werden?

HTL für Lebensmitteltechnologie Wels

Team Eschentriebssterben

Becherchen-Recherchen

Schon der Name klingt zwielichtig und irgendwie böse: Hymenoscyphus pseudoalbidus. Und auf Deutsch erst: Falsches Weißes Stengelbecherchen! Wir sprechen von einem Pilz, der schon seit längerem ‒ in Österreich nachgewiesenermaßen seit 2005 ‒ einem armen, unschuldigen Baum an die Nieren (oder vielmehr an die Wurzeln) geht: der Esche.

Der Schädling – eine Untergattung der Echten Schlauchpilze – verbreitet sich buchstäblich wie der Wind und schlaucht die Bäume, echt. Für die Holzindustrie werden sie rasch unbrauchbar, und wenn nicht bald etwas geschieht, gibt es demnächst überhaupt keine Eschen mehr – e schene Bescherung.

Dabei muss das falsche Becherchen einfach nur kultiviert werden, dann benimmt es sich auch besser, zumindest ist es dann leichter, dem Problem auf den Grund zu gehen. Das zu tun hat sich eine Klasse der HTL für Lebensmitteltechnologie in Wels zum Ziel gesetzt. Einerseits wurde die Zuckerzusammensetzung der Esche untersucht, andererseits wurden fünf verschiedene Unterarten des Pilzes mit verschiedenem Infektionspotenzial im Labor gezüchtet. Der Einsatz von Chemie wäre für die Esche selbst schädlich, also wurden natürliche Hemmstoffe darauf geprüft, ob sie Pseudoalbidus’ Wachstum einschränken können.

Und wie es sich für ein Wissenschaftsprojekt gehört, kamen die zwölf Schüler/innen zu einem ganzen Schwall an Ergebnissen: Sie fanden heraus, dass der Pilz als Hauptkohlenstoffquelle Mannit verwendet, dass Schwermetalle ihn nicht einmal leicht beeindrucken und dass Terpene und Cumarine, Wirkstoffe aus ätherischen Ölen, ihm den Garaus machen können. Außerdem: Je saurer der Boden, desto fröhlicher vermehrt sich der Falsche Fungus. Sie raten daher: Erhöht den pH des Bodens durch Kalkung! Entfernt abgefallene Blätter raschest möglich, denn diese sind besonders mannithaltig und locken den Pilz an! Züchtet mannitfreie Eschen heran! Rettet die Eschen!

Dem riesigen Projektteam war bewusst, dass immer alle alles wissen müssen, um zu eschen-ziellen Ergebnissen zu kommen. Zu sogenannten Screenings kamen sie regelmäßig zusammen, um einander up to date zu bringen. Wenn es zwangsläufig zu Konflikten kam, wurde abgestimmt und alles war gut. Denn die Projektarbeit hat gezeigt: Wer zu sauer ist, wird vom Pilz gefressen.