Kategorie Sustainability

2016/17

Lignin trifft auf Mikrowellentechnologie

Holztechnikum Kuchl

Team Ligngin

In Laborstudien entdeckt ein Team, dass ein Verkleben von Fichtenholz mit dem Nebenprodukt Lignin möglich ist – mit potenziell wirtschaftlichem Potenzial.

Was Lignin, das pickt. Es waren einmal zwei Menschen namens Matthäus Herman und Stefan Pichler. Sie waren Schüler der HTL und FH für Holzwirtschaft und Sägetechnik des Holztechnikums Kuchl, und sie riefen ein Projekt ins Kleben, das Wellen schlagen sollte. Mikrowellen, genauer gesagt. 

Lignin ist eine chemisch hochwertige Substanz und nach Zellulose der am häufigsten vorkommende erneuerbare Stoff der Erde. Jährlich fallen an die 50 Millionen Tonnen Lignin als Nebenprodukt in der Papier- und Zellstoffindustrie an, wobei nur zwei Prozent davon wirtschaftlich genutzt und die restlichen 98 % verbrannt oder anders entsorgt werden. Eigentlich schade drum, ist doch genug Lignin vorhanden. Ob man diesen Stoff nicht nützen könnte? Eine bedeutsame Frage, die die Herren Herman und Pichler auf den Holzweg führte. Gemeinsam machten sie sich daran, in Laborstudien zu untersuchen, ob der Ligninreststoff, auch „Black Liquor“ genannt, mittels Mikrowellentechnologie zu einem Klebstoff für den Werkstoff Holz verarbeitet werden könnte – wo das Kleben doch in der Natur sowieso schon die Hauptaufgabe des Lignins ist.  

Falls ja, würde bei wirtschaftlicher Verwendung ein bisher ungenutztes Marktpotenzial erschlossen, da der nachhaltige, nachwachsende Rohstoff Lignin eine Alternative zu erdölbasierten, synthetischen Klebstoffen bieten könnte, weder Umwelt noch Menschen schädigt und in erheblichen Ausmaß vorhanden ist. Nach vielen Laborstunden und Versuchsreihen an den Holzarten Fichte und Buche vermeldeten sie voller Holz, dass eine Verklebung von Fichte mit unveränderter Ligninablauge prinzipiell möglich ist. Allerdings müsste die Forschung diesbezüglich noch vorangetrieben werden, um die Klebensqualität und in weiterer Folge das wirtschaftliche Potenzial zu steigern.  

Nicht nur der Zusammenhalt von Holz wurde bei alldem auf die Probe gestellt und gestärkt, auch der des Teams: Hermann und Pichler nehmen positive wie lehrreiche Erfahrungen mit in die Zukunft. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann kleben sie noch heute.