Kategorie Sustainability

2016/17

VollGas

HTL Dornbirn

Team Vollgas

Ein Projekt der HTL Dornbirn. Eine Methode zur Beschleunigung der Gärung von ungenutzter Biomasse spart Zeit und produziert mehr Biogas.

Begärenswert. Was lange währt, wird endlich gut. Und was kürzer gärt, wird oft noch besser. Zumindest gilt das für Biogasanlagen, die weltweit zur Strom- und Wärmegewinnung eingesetzt werden, indem sie durch die Vergärung von Biomasse Biogas erzeugen. Je kürzer solch ein vergärender Prozess dauert, desto besser; in weniger Zeit wird mehr Gas produziert, es steigt also der „Gasfaktor“. Wie sich dieses Verfahren beschleunigen lässt, das haben Jonas Adamer, Boris Cergic, Valentin Rezsnyak und Lukas Schupp von der HTL Dornbirn herausgefunden. 

Aber was macht eigentlich eine Biogasanlage? Um es kurz zu machen (schließlich geht es hier um Zeitgewinnung): Bioabfall oder Gülle werden als Substrate in einem Gärbehälter oder Fermenter gesammelt, wo sie auf 40 °C erhitzt werden und luftdicht verschlossen mehrere Tage unter ständigem Rühren verweilen. Derart gut gerührt und ein bisschen auch geschüttelt wird die Biomasse von Mikroorganismen zu Säuren oder Alkoholen verarbeitet. Aus diesen wird dann durch Bakterienarbeit Essigsäure und Wasserstoff, und daraus entsteht im Endeffekt Methangas, aus dem mit speziellen Motoren Strom und Wärme gewonnen wird. So weit, so Biogasanlage.

Nun liefern Substrate wie Holz und Schilf mehr Methanausbeute als andere. Allerdings ist auch deren Gärzeit länger als jene von Speiseresten oder Pflanzenölen, die somit öfter Gas geben müssen. Somit ist es nur bio und logisch, die Gärzeit der ertragreicheren Substrate zu beschleunigen. Mit diesem durchaus ausgegorenen Gedanken entwarfen die vier Biogasanlageberater ein elektrisches Feld aus innovativen Elektroden, die im Gärprozess für Vollgas sorgen sollen. 

Die Versuche einschließlich diverser Druck- und Dichtheitsproben verliefen erfreulich: Die Produktion von Biogas lässt sich mit dem Verfahren vervielfachen. Damit gibt sich das Projektteam aber nicht zufrieden: Die optimale Spannung für die Mikroorganismen und die Konzentration von Methan in der Gasphase sollen gemeinsam mit einer Partnerfirma noch ermittelt werden, um den Gärprozess optimal beschreiben zu können. Patent darauf gibt es noch keines. Wenn die Dornbirner Gas geben, kann sich die patente Idee noch als gute Anlage erweisen.