Kategorie Design

2012/13

X-Change

Die Herbststraße

Team X-Change

Wieder wertvoll

Über das Thema Recycling fanden sie zueinander. Die Fachgruppe Kunst des Schulzentrums „Die Herbststraße“ in Wien-Ottakring suchte eine/n Kooperationspartner/in, um in das Thema soziales Design weiter vorzudringen. 

Das Gestalten wird an dieser Schule schon länger nicht mehr nur auf Objekte, sondern auf gesellschaftliche Fragestellungen angewandt. Da schulintern kürzlich Recycling-Projekte umgesetzt worden waren, lag die Affinität zu der nur wenige Meter entfernten begleiteten Werkstätte in der Kirchstetterngasse nahe. In dieser Filiale des Bereichs HandWerk der Wiener Sozialdienste wird unter anderem TetraPak zu Schmuckstücken wiederverwertet. Das Projekt „XChange“ war geboren.

Und wie sie sich austauschten! Die zwölf Schüler/innen besuchten zu Beginn die Werkstätte und lernten die Fertigkeiten und Fähigkeiten der dortigen Klient/innen kennen. Sie setzten sich das Ziel, neue Prototypen und Rohlinge für Schmuckstücke zu entwerfen, die in Kleinserienfertigung von den Menschen aus der Werkstätte umgesetzt werden können. Auch Werkzeuge, die ihnen dabei helfen sollen, standen auf dem Plan. Nebenher wurde dieser Versuch einer sensiblen Annäherung an Menschen, die mit einer Einschränkung leben müssen, grafisch ansprechend dokumentiert ‒ so stehen gleich auch Gebrauchsanleitungen für die Zukunft zur Verfügung.

Beim Gegenbesuch in der Herbststraße probierten die Klient/innen der Sozialdienste die neuen Werkzeuge aus. Sogenannte Faulenzer unterstützen nun den Drahtwickelvorgang bei der Herstellung von Ornamentteilen für Halsketten; geätzte Plättchen als Unterlage und Stanzschablonen zum Emaillieren erleichtern den Alltag der ‒ natürlich gar nicht faulenzenden ‒ Handwerker/innen. Neue, kreative Designs für Schmuckstücke aus recyceltem TetraPak gestalten die Tätigkeit abwechslungsreich.

Auch für die Schüler/innen brachte der Austausch einen, teils überraschenden, Lerneffekt. „Anfangs fiel es mir nicht gerade leicht, den von mir angesprochenen Herrn zu einem Übungsschnitt mit der Uhrmachersäge zu motivieren“, erinnert sich Wendelin Pober, „doch nachdem ich ihm Mut zugeredet und ihm danach gezeigt habe, wie es geht, war ich von seinem ersten Schnitt stark beeindruckt, denn sein Schnitt war wesentlich gerader als meine erste Sägeübung.“