2011/12

Cam Guard - Luft von der Linse

HTL Wels

Cam Guard - Luft von der Linse

In den Anlagen der voestalpine überwachen Kameras die Produktionsprozesse unter extremen Bedingungen.​​​

Luft vor der Linse. Wasserdampf liegt in der Luft, Staubpartikel und Ölfilm lagern sich auf dem Kameraglas ab oder kleben durch hohe Temperaturen fest. Und im Hochofen, wo die Kameras nach oben gerichtet sein müssen, zieht die Schwerkraft den Schmutz vor die Linse.

Daher beauftragte das Unternehmen ein Team der HTL Wels mit der Entwicklung eines Aufbaus, der die Bildqualität der Überwachungskameras deutlich verbessern sollte. Vier Schüler und eine Schülerin der Richtung Maschinenbau/Mechatronik nahmen die Herausforderung an und begannen mit einem Brainstorming. Parallel zu den eigenen Ideen durchforsteten sie das Internet nach brauchbaren Lösungsansätzen. Und sie fanden tatsächlich wertvolle Hinweise und Links zu Unternehmen, die ebenfalls unter extremen Bedingungen produzieren. Zugleich erkannten sie die Exklusivität ihres Themas und mussten sich - ganz unerwartet – mit patentrechtlichen Fragen beschäftigen.

Ihre Ideen vom Scheibenwischer, von der Glasbeschichtung oder vom Wasserfilm verwarfen die TechnikerInnen nach einem Gespräch mit dem Auftraggeber. Stattdessen konzentrierten sie sich auf die Schwächen des bestehenden Systems und rekonstruierten den Körper, der über die Kamera gestülpt wird, in einer Simulation. Durch die Auswertung erkannten sie die verschmutzende Wirkung des Sogs, der den Staub aus der äußeren Luft auf dem Glas ablagert. Es folgten noch weitere Simulationen mit leicht geänderten Varianten, mit unterschiedlicher Neigung und Luftführung, die allesamt nicht das erwünschte Ergebnis brachten, sie aber dennoch auf die richtige Spur führten, wie die SchülerInnen rückblickend meinen: Alle Berechnungen sprachen für eine Lösung mit Austrittslöchern am Rand, auch wenn bei den bisherigen Modellen immer wieder Schmutzablagerungen in die Mitte der Glasscheibe gewirbelt wurden. In dieser Situation kam ihnen der Zufall und Dysons Airblade zu Hilfe. Sie studierten das Prinzip des Luftvorhangs, der als Händetrockner Furore gemacht hat, und simulierten damit den Kameraschutz. Aus tropfenförmigen Düsen strömt die Druckluft und legt sich schützend über das Glas. Partikel werden vom Luftstrom weggeweht.

Aufgrund der positiven Simulationsauswertungen starteten die SchülerInnen mit dem Bau eines Prototyps, der den extremen Bedingungen standhält. Mit Erfolg. Cam Guard wird zurzeit im Linzer Stahlwerk getestet.