2010/11

Geschmäcker sind verschieden - Gene auch!

HLFS Ursprung

Geschmäcker sind verschieden - Gene auch!

Kaffee ohne Zucker? Für die einen der pure Genuss. Unvorstellbar dagegen für andere, weil sie die Süße vermissen und den Kaffee ohne Zucker als bittere Sache erleben. Wie erklärt sich das unterschiedliche Empfinden? Sind es Gene, die unseren Geschmackssinn beeinflussen?​​​

Diesen speziell in der Medizin und der Lebensmittelindustrie bedeutsamen Fragen sind Schülerinnen und Schüler der HLFS Ursprung nachgegangen. Mit einem molekularbiologischen Experiment haben sie die Genetik des Schmeckens untersucht. Dabei kosteten mehrere hundert Versuchspersonen definierte Bitterstoffkonzentrationen sowie Nahrungsmittel, denen der natürliche Süßstoff Stevia und die gesunde, aber bitter schmeckende Arionabeere beigemengt war. So konnte das Forscherteam die Versuchspersonen in drei Gruppen einteilen: Menschen mit außerordentlichem und durchschnittlichem Geschmacksempfinden und Menschen mit unsensiblen Geschmacksnerven, die sogenannten „NichtschmeckerInnen“.

Nachdem die DNA-Proben der Versuchspersonen gesammelt waren, stand das Team um Projektleiterin Eva Schitter vor der Aufgabe, aus den 25 TAS2R-Genen, die für die Bitternis-Wahrnehmung verantwortlich sind, ein bestimmtes Gen zu entschlüsseln. Tatsächlich gelang dem jungen Forscherteam die wissenschaftliche Analyse der drei SNP-Varianten in Bezug auf Stevia (Einzelnukleotid-Polymorphismus-Varianten) des TAS2R38 Gens. Erstmalig in Österreich.
Nachdem die Versuchspersonen auf ihre Vorliebe für und die Abneigung gegen die verkosteten Proben befragt worden waren, werteten die Forscher und Forscherinnen die Daten aus. Sie entdeckten dabei eindeutige Zusammenhänge unter den gemessenen und beobachteten Parametern. Kleine Variationen im Erbgut bewirken demnach große Unterschiede im Geschmacksinn. Vor allem ein Resultat verblüffte das Forscherteam: Jene Versuchspersonen, die bitteren Geschmack besonders fein wahrnehmen, empfanden die Stevia-Süße nie als unangenehm. Das Experiment widerspricht somit der gängigen Meinung, der zufolge Menschen dieses Genotyps den Geschmack der Stevia nicht mögen.

Das innovative Projekt hat auch das Department of Molecular Genetics am Institute of Human Nutrition beeindruckt, das Projekt wird demnächst beim Kongress der European Stevia Assocoation vorgestellt.

Neben der Forschungsarbeit im Labor haben sich die Jugendlichen gemeinsam mit ihrem Betreuer Konrad Steiner auch Fragen der Ethik gestellt und den Schutz der eigenen DNA bereits öffentlich thematisiert.