2010/11

Ölverdau - Bakterien, die Erdöl lieben

HTL Braunau

Ölverdau - Bakterien, die Erdöl lieben

Zwei Schüler der HTL Braunau suchten im Rahmen des Maturaprojekts „Technische Informatik-Bionik“ nach alternativen Methoden der Erdölbeseitigung nach Katastrophen.​​​

Die Erdölkatastrophen im Golf von Mexiko und an Norwegens Küste haben im vergangenen Jahr irreparable Schäden am Ökosystem verursacht. Schuld an dem Desaster sind vor allem Kohlenwasserstoffe, die neben Naphthensäuren, Phenolen, Aldehyden und organischen Schwefelverbindungen zu den Hauptbestandteilen von Erdöl zählen. Mit Spezialschiffen, Sperren und chemischen Substanzen versuchten Experten und Expertinnen den Ölteppich in der Vergangenheit einzudämmen und abzubauen. Mit mäßigem Erfolg.

Zwei Schüler der HTL Braunau nahmen die Problematik noch im Jahr der Katastrophe auf und suchten im Rahmen des Maturaprojekts „Technische Informatik-Bionik“ nach alternativen Methoden der Erdölbeseitigung. Mit Unterstützung ihres Betreuers Benjamin Seeburger wollten Thomas Schamberger und Simon Schuler einen Stoff finden, der das Erdöl in weniger giftige Stoffe wie Fettsäuren, CO2 und Wasser abbaut. Hoffnungsträger des Projekts war ein winziges Bakterium namens Alcanivorax borkumensis, das sich zur biologischen Reinigung von ölkontaminierten Regionen eignet, weil es ölabbauende Enzyme produziert.

Umweltfreundlicher, schneller und leichter kontrollierbar. Die Qualitäten des Enzyms überzeugten die Schüler und ermutigten sie zum aufwändigen Experiment. Mit verschiedenen Methoden der Molekularbiologie – DNA-Isolation, Klonierung u.a. – versuchten die Schüler Enzyme des Bakteriums zu isolieren.

Mindestens so schwierig gestaltete sich die Herstellung einer geeigneten Nährlösung. Nicht zu kalt, nicht zu warm und der PH-Wert musste auch stimmen. Nach Rezept wurden die Bakterien in vier Nährmedien kultiviert, zentrifugiert und tiefgefroren. Die Kulturen wurden in einem geeigneten Medium aufgelöst und mit Erdöl vom Kooperationspartner OMV versetzt.

Das Ergebnis: Nach 11 Tagen hatten sich unter der Einwirkung der Bakterien kleine Erdöltropfen gebildet.

Ein Erfolg für das Team, das mehr als 550 Stunden in das Projekt investiert hat. Doch die Zeit für Recherche, Dokumentation und Experiment im Labor brachte den Maturanten neben dem erhofften Ergebnis als Nebenerfolg die Entdeckung von n-Hexadecan als Erdölersatz, die Konstruktion eines eigenen Schüttlers, wertvollen Wissenszuwachs und Erfahrung im Teamwork.