2009/10

Strom aus Gülle. Mist, der mehr kann.

HTL Braunau

Strom aus Gülle. Mist, der mehr kann.

„Pecunia non olet!“ (Geld stinkt nicht!) soll Vespasian einst ausgerufen haben, 2000 Jahre später erweisen sich Mist und Gülle noch immer als gewinnbringend. Die nachwachsenden Rohstoffe werden zum Beispiel in Biogasanlagen genutzt, um elektrische Energie über Gasmotoren zu erzeugen.​​​

Strom aus Gülle. Für Anna Seidl und Eva Reiter von der HTL Braunau eine Herausforderung, die zunächst in den Stall führte. Der Geruch habe sie nicht gestört, meint Anna, die auf einem kleinen Bauernhof groß geworden ist und in Kürze Technische Chemie studieren will. Hühner- und Pferdemist zu sammeln war definitiv einfacher als Literaturrecherchen und Labortests, bei welchen die Mistsorten auf ihren Ammoniakgehalt geprüft wurden. Ein selbstgebautes Destillationsgerät war zwar funktionstüchtig, erste Versuche brachten aber keine brauchbaren Analyseergebnisse und verursachten den jungen Technikerinnen Kopfzerbrechen. In Momenten wie diesen war die Unterstützung von Coach, Dr. Josef Wagner, besonders motivierend: „Er war immer da, wenn gar nichts mehr gegangen ist“, erinnern sich die Schülerinnen.

Die ersten Versuche führten vorerst nicht ans Ziel, doch sie bewirkten eine intensive Auseinandersetzung mit der Materie, was die beiden als wesentliche Voraussetzung für den späteren Projekterfolg sehen. So wichtig wie die selbständige Suche nach Lösungen und die meist zeitaufwändige Korrektur kleiner Fehler.

Jedenfalls warfen die Experimente neue Fragen auf: Wie lässt sich Ammoniak entfernen? Kostengünstig und möglichst ohne Zusatz von Chemikalien? Und ist es möglich, frei gewordenen Ammoniak für die Stromerzeugung zu nutzen? Eine Frage, die bei großen Biogasanlagen und dementsprechenden Ammoniumüberschuss ökologisch und ökonomisch interessant ist.
Im ersten Schritt gelang es mittels Salzlösung und dann mit Gülle Ammoniak abzuspalten; schwieriger gestaltete sich der Versuch der Stromerzeugung. Am Ende schafften es die Schülerinnen eine Brennstoffzelle mit einem Spaltgas aus Wasserstoff und Stickstoff zu betreiben.

Für Eva und Anna eine wichtige Zeit, weil sie sich länger mit einem Thema beschäftigen konnten. „Du darfst die Begeisterung nicht verlieren, wenn du ein Tief hast, dann ist das Hoch umso schöner.“

Die Optimierung des Verfahrens hat begonnen und die Finalistinnen tüfteln bereits an einer neuen Elektrolysezelle, an Reaktionsgefäßen und Katalysatoren.