2010/11

Tier-Time - Tee aus der Schnabeltasse

Die Herbststraße - HLA für MODE und KUNST

Tier-Time - Tee aus der Schnabeltasse

Design provoziert Perspektivenwechsel. Damit dies gelingt, werden Ideen und Formen im Entwicklungsprozess vergrößert, geschrumpft, verzerrt oder auf andere Weise in Frage gestellt.​​​

Gelegentlich hilft es auch, wie die Schülerinnen und Schüler der Herbststraße erfahren haben, die Dinge ganz einfach auf den Kopf zu stellen. Eine „Teetasse mit Überraschungsmoment“ lautete die Aufgabe.

Gelöst wurde die Herausforderung, indem die Jugendlichen die bislang vernachlässigte Unterseite der Tasse auf ihre Möglichkeiten prüften. Die Seite hat Potenzial, meinten Maria Groiss und ihre Kolleginnen, Tierkörper auch, und als sie bei der Recherche Thermoflaschen mit Tiermotiven fanden, war der Entschluss für das tierische Teevergnügen gefallen: Die Schnabeltasse sollte auf soliden Füßen stehen und ihre wahre Identität erst preisgeben, wenn sie hochgehoben und zum Mund geführt würde.

Der Freiraum, den das Projekt und die Betreuerin Margit Russnig den Schülerinnen überließen, war großzügig bemessen. Ideal, wie sie meinten, um respektvoll und wertschätzend ein Thema zu diskutieren und zu entwickeln, das doch seine Tücken zeigte. Welches Tier kommt in Frage? Gefällt den anderen, was uns gefällt? Attraktiv sollte das neue Trinkgefäß sein, extravagant, für Kinderhände und für älteres Publikum geeignet. Es galt Schnauzen mit Stehvermögen zu finden, Lippen und Zähne, die halten. Die Gefäße sollten in Serie produziert werden und vor allem für das Weihnachtsgeschäft fertig sein, denn beim Weihnachtsmarkt in der Herbststraße wollten die Schülerinnen ihre tierisch guten Tassen präsentieren und verkaufen.

Skizzen und 3D-Modelle halfen bei der Wahl der Motive. Im zweiten Schritt wurden Entenschnäbel, Hundeschnauze, Löwenmaul & Co in Gips modelliert. Acht Mäuler und Schnäbel wurden auf ihr Stand- und Fassungsvermögen geprüft und optimiert. Als auch der letzte Kratzer am Positiv ausgebessert war, wurde der Gips für die Gießformen angerührt. Was bei einer Figur mit einer Form erledigt war, dauerte bei anderen Entwürfen länger. Wer schneller fertig war, half der anderen beim Verbinden der Teile, beim Trocknen, Sprengen und Lösen. Im Teamwork entstand die Mixtur, die sowohl dünnwandigen als auch robusteren Formen Stabilität geben musste, und auch die übrigen Arbeitsschritte bis hin zu Roh- und Glasurbrand funktionierten zur Zufriedenheit aller. So gesehen eine wunderbare Tier-Time.