2011/12

Vergessen verstehen - Den Alzheimer-Zellen auf der Spur

HLFS Ursprung

Vergessen verstehen - Den Alzheimer-Zellen auf der Spur

„Der Opa ist halt a bisserl verwirrt!“ Lapidare Feststellungen wie diese sind für viele Jugendliche die erste Begegnung mit Alzheimer. Mit dem Projekt „Vergessen verstehen“ im Freifach Gen- und Biotechnologie an der HLFS Ursprung haben sich die SchülerInnen gemeinsam mit ihrem Lehrer Konrad Steiner intensiv mit der unheilbaren Krankheit befasst.​​​

Morbus Alzheimer, erstmals Anfangs des 20. Jahrhunderts von Alois Alzheimer beschrieben, ist eine Form der Demenz. 20 Prozent der unter 80- bis 85jährigen Menschen sind davon betroffen und die Zahl wird in den nächsten Jahrzehnten stark steigen, da der Anteil der Älteren in unserer Gesellschaft wächst. Die Entwicklung eines Medikamentes gegen Alzheimer ist daher eines der dringlichsten Forschungsziele. Auch für die Klasse aus Ursprung, der es zum ersten Mal weltweit gelungen ist, das chemische Gleichgewicht in Alzheimer-Zellen messbar zu verändern.

Der erste Teil des Projekts führte die Schülerinnen und Schüler ins Labor, wo sie eine der Ursachen für die Veränderung im Gehirn untersuchten: Sogenannte „senile Plaques“ lagern sich um die Gehirnzellen an, hindern deren Versorgung und bringen sie zum Absterben. Die Plaques sind die Folge eines chemischen Ungleichgewichts zwischen dem Enzym BACE1 und der micro-RNA. Die Schülerinnen und Schüler züchteten menschliche Gehirnzellen heran und hoben den Level an micro-RNA107 künstlich an. Nach 72-stündiger Versuchszeit sank der Gehalt von BACE1 auf nur 15 Prozent, ein Ergebnis, das selbst das Universitätsklinikum Salzburg und die EVER Neuro Pharma derart begeisterte, dass sie zukünftige „Möglichkeiten für eine Kooperation“ sahen.

Alzheimer ist aber mehr als eine Zellkultur. Die Krankheit hat eine menschliche Dimension. Was fühlen, denken demenzkranke Menschen? Was brauchen sie? Und wie geht man mit ihnen um? In einem Workshop beschäftigten sich die SchülerInnen auch mit diesen Fragen. Im Rollenspiel erkundeten sie Stück für Stück das soziale Umfeld einer Demenzerkrankten. Abwechselnd schlüpften sie in die Rolle der fiktiven Patientin Rosa Haderer und stellten ihr Umfeld nach: das Enkerl, den Hausarzt, die Nachbarin, die Verkäuferin beim Supermarkt.

Und zuletzt besuchten die Jugendlichen das Haus der SeniorInnen in Kuchl und die Christian-Doppler-Klinik für Geriatrie. Sie sprachen mit den alten Menschen, hörten zu und erfuhren Geschichten vom eisigen Sturm, von der Schneiderlehre und von Rolfi, dem Stoffhund, den eine Dame für ihren lebendigen Begleiter hält. Durch die Begegnung mit Demenzkranken bekamen die Zellen im Labor, und die Hoffnung auf ein wirksames Medikament, ein menschliches Gesicht.